Journée 2017: L’autodétermination du senior dans l’ Europe de demain

Am 4. Oktober 2017 fand die 32. « Journée de gérontologie »  der Association luxembourgeoise de gérontologie et gériatrie (ALGG) in der Fondation Pescatore zum Thema Selbstbestimmung älterer Menschen statt. ALGG-Präsidentin Dr. Carine Federspiel erinnerte in ihrer Begrüßung zunächst noch einmal an Prof. Dr. Dieter Ferring von der Uni Luxemburg, dessen plötzlicher Tod große Bestürzung hervorgerufen hat. Prof. Ferring war neben seinen vielen anderen Verpflichtungen langjähriges Mitglied und engagierter Unterstützer der ALGG und deren Einsatz für eine altersfreundliche Gesellschaft in Luxemburg.

Nach einem Grußwort von Familienministerin Corinne Cahen setzte Nicole Kerschen (Präsidentin des Verwaltungsrats LISER und chercheur honoraire beim CNRS) als erste Rednerin den gesetzlichen Rahmen für die professionelle Pflege und Betreuung alter Menschen in Luxemburg und in Europa. Sie erinnerte dabei an die Bestrebungen der Luxemburger Pflegeversicherung, die in ersten Überlegungen bereits 1998 das Ziel formulierte, von einer bis dato eher paternalistisch-beschützenden Sichtweise das Prinzip von mehr Selbstbestimmungim Hinblick auf Pflege und Betreuung zu ermöglichen. So sollte es alten Menschen freistehen, an welchem Ort (zu Hause oder in einer Institution) und von welchem Dienstleister sie gepflegt werden wollen. Weitere Rechte, festgelegt z.B. durch die Convention européenne des droits de l’homme et de biomédecine (Conseil de l’Europe 1996), sehen u.a. vor, dass alte Menschen jedem biomedizinischen Eingriff ausdrücklich selbst zustimmen bzw. diesen zu jedem Moment verweigern können oder aber eine Person benennen, die dies in ihrem Namen tut. Auch die Charte des droits et responsabilités des personnes âgées nécessitant des soins et une assistance de longue durée (AGE plateforme Europe 2010) sieht ausdrücklich das Recht auf Selbstbestimmung für ältere Menschen vor : « (…) vous conservez votre droit à faire vos propres choix et au respect de votre volonté. »

Soweit die Theorie, in der Praxis sieht es oftmals anders aus. Zumal hier insbesondere auch ethische Fragen zum Tragen kommen, wie der Theologe Dr. Erny Gillen (Moral Factory), anschließend ausführte. Autonomie sei die notwendige Bedingung für ein gelungenes Leben, was aber nicht zwangsläufig auch ein glückliches bedeuten müsse, so Gillen. Die Anpassung älterer Menschen an institutionelle Gegebenheiten sei dagegen oft schon ein Ausdruck von Unfreiheit bzw. „adaptierten Präferenzen”. Ein regelmäßiger, an den jeweiligen Kontext angepasster professioneller Dialog über ethische Entscheidungen scheint dabei ebenso notwendig wie eine methodische Förderung der Autonomie. Dies könne z.B. in Form einer „Werte-Anamnese” geschehen, um Bedürfnisse, Wünsche und Werte der betroffenen Person nicht nur gezielt herauszufinden, sondern auch entsprechend zu wertzuschätzen.

Wo beginnt die eigene Würde, wo hört sie auf? Wie ist unser persönliches Empfinden von Scham und Schamhaftigkeit? Diesen und anderen Fragen ging der Psychiater Dr. Paul Rauchs in seinen Überlegungen nach. Autodetermination ist für ihn dabei gleichbedeutend mit der individuellen Souveränität über Körper und Geist. Der alternde Körper sei „Freund und Feind” zugleich, ist das schonungslose Offenlegen von Gebrechen doch zentraler Teil von Alterungsprozessen. Der ehemalige Abgeordnete und pensionierte Philosophielehrer André Hoffmann stellte seine Ausführungen zunächst unter die zentrale Frage: „En quoi reconnaît-on qu’un être humain est un être humain?“ Unter dieser Prämisse spann er den Bogen von zentralen Schlüsselbegriffen unserer modernen Gesellschaft wie Selbstbestimmung, freier Wille, Selbstverantwortung, Individualismus, gesellschaftliche Unterstützung, Gleichheit und Autonomie zu seinen eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen. Er gab u.a. zu bedenken, dass Autonomie immer auch von materiellen Ressourcen abhänge und plädierte gegen eine „Pflege nach der Stoppuhr” und für gute Bedingungen, von denen Klienten und Mitarbeiter profitierten.

Die abschließende Diskussion warf noch weitere Fragen auf, so z.B. im Hinblick auf Grenzen der Autonomie, der Verantwortung der Pflegeeinrichtungen, Rolle der Familie und Angehörigen sowie Sinn und Zweck von Patientenverfügungen. Konsens bestand dahingehend, dass der alte und/oder pflegebedürftige Mensch mit seinen Entscheidungen bzw. Wünschen stets im Mittelpunkt stehen soll. Wie dies im Alltag umgesetzt werden kann, muss im Einzelfall unter Einbeziehung aller Beteiligter allerdings immer aufs Neue diskutiert und ausgehandelt werden.

Nicole KERSCHEN, Chercheur CNRS honoraire, présidente LISER « Les personnes âgées dépendantes: entre droits et protection »

Erny GILLEN, Dr théol., Moral Factory « Reconnaître l’autonomie: un exercice éthique

André HOFFMANN, Prof. de philosophie retr., ancien Député « Iwwert sech selwer bestëmmen – wat heescht dat? »

Dr Paul RAUCHS, Psychiatre « Ô vieillesse ennemie! : Den Alter, Frënd oder Feind? »

 

L’autodétermination du senior dans l’Europe de demain

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